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Heilung zum Selbermachen: Die ungeahnten Schätze des Waldes

Heilpilze hier bei uns, und das im Winter? Wer mit dem Heilpilz-Experten Jochen Kurth durch den Wald stapft, erlebt manch eine Überraschung und müsste offenbar nie wieder eine Apotheke betreten.

FELDBERG. Jeder Schritt lässt Eiskristalle bersten, zielstrebig stapft Jochen Kurth durch das kleine Waldstück bei Laeven nahe Feldberg. „Hier“, ruft er und deutet auf einen Baumstumpf, „das sind Austernseitlinge.“ Zuhauf wachsen die prächtigen braunen Pilze an dem toten Stamm. „Die sind gut gegen Arthrose, Bindegewebsschwäche, Krebserkrankung und Infektionen“, sagt Jochen Kurth.
An Bäumen wachsen auch im Winter viele Pilze. Der 77-Jährige geht das ganze Jahr über mehrmals pro Woche in den Wald. An jedem Samstag bietet er Heilpilz- und Heilkräuter-Wanderungen an, auch an diesem: Wind und Kälte schneiden bis auf die Knochen, Jochen Kurth zieht trotzdem los. „Seit 50 Jahren beschäftige ich mich hobbymäßig mit Pilzen, seit 20 Jahren mit Heilpilzen“, erzählt der Wahl-Feldberger. In Leipzig hat er den Studiengang Bio-Chemie mit aufgebaut, hinter ihm liegt ein Leben als Wissenschaftler. Vor zwölf Jahren, gerade war er in den Ruhestand gelangt, kam er nach Feldberg. „Seitdem beschäftige ich mich beruflich mit Heilpilzen.“ Heute ist er einer von wenigen Experten in ganz Deutschland, in seinem eigenen Verlag veröffentlicht er Literatur über Heilpilze, außerdem verkauft er sie als Pulver in kleinen weißen Dosen. Und er bietet seinen Rat an.

Böden der Region bieten beste Bedingungen für Pilze „Mit Heilpilzen kann man sehr schwerwiegende Erkrankungen heilen“, erklärt Jochen Kurth. Von Diabetes, Gicht und Migräne über Reizdarm, Grippe und Schuppenflechte bis hin zu Krebs und neurologischen Erkrankungen – oftmals zeigten Heilpilze eine durchschlagende Wirkung. Der Pilz-Experte erzählt von einer Krebspatientin aus Thüringen, die bereits palliativ behandelt worden sei; Hoffnung habe kaum noch bestanden. Ein Arzt, mit dem er kooperiere, habe der Patientin eine Heilpilzmischung verabreicht. „Die ist heute wieder normal“, sagt Jochen Kurth. „Das ist unfassbar.“ Derart gut funktioniere eine Pilz-Therapie zwar nicht bei jedem – aber immerhin. Jochen Kurth steigt wieder in sein Auto und fährt ein paar hundert Meter über einen vereisten Waldweg. „Mal schauen, was hier wächst“, sagt er und prüft die Baumstämme rechts und links mit einem geübten Blick durch die Windschutzscheibe. Im Endmoränengebiet rund um Feldberg, erklärt er, wachsen fast alle Heilpilze: Sandige, lehmige und kalkhaltige Böden bieten demnach beste Bedingungen für eine große Pilz-Vielfalt. Vorsichtig steigt Jochen Kurth aus und geht einige Schritte über den vereisten Weg. „Hier müssten eigentlich Judasohren wachsen“, erklärt er. Allzu große Funde erwartet er jedoch nicht: Mittels des ohrenförmigen Heilpilzes habe er einen Mann aus der Gegend vom Tinnitus befreit. „Der hat danach hier alles abgegrast“, sagt Jochen Kurth lachend. „Den habe ich richtig begeistert.“ Einige kleine Exemplare findet Jochen Kurth dennoch an einem Holunderstrauch, der Heilpilz wirkt fast papieren. „Wenn die wieder feucht werden, wachsen sie weiter“, erklärt Jochen Kurth. „Durch den Wind und die Kälte sind die ausgetrocknet.“ Das fällt wahrlich nicht schwer zu glauben: Der Wind pfeift, die Kälte beißt. „Wirklich eisig heute“, sagt Jochen Kurth mit einem Lachen. „Aber das darf mich nicht abhalten.“ Ob er eine Mission hat? „Ja“, antwortet er. „Die Leute mit Heilpilzen bekannt machen, das ist eine Mission.“ Gerade hat er sein neustes Buch fertiggestellt, mehrere Jahre hat er daran gearbeitet. „Seit 5000 Jahren sind Heilpilze in der chinesischen Medizin bekannt“, sagt er. „Aber bei uns hat im Mittelalter eine Totalvernichtung des Wissens stattgefunden, zur Zeit der Hexenverbrennungen.“ Erst seit etwa zwanzig Jahren werde wieder über das Thema gesprochen, damals seien einige deutsche Wissenschaftler zu einem Kongress gefahren, nach Japan, und hätten Pilz-Wissen mit zurückgebracht. Der wissenschaftliche Diskurs aber friste hierzulande noch immer ein Nischendasein, die Pharmaindustrie sei an Konkurrenzprodukten nicht interessiert. In Japan, China, Korea und Russland, auch in den USA, gebe es hervorragende Fachartikel zur heilenden Wirkung von Pilzen. „Aber aus Deutschland kommt fast nichts.“

Wissen über Heilpilze nimmt langsam zu Als Jochen Kurth mit 26 Jahren erstmals Pilze sammeln ging, nahm er sich einen Riesenkorb und kam mit einem Berg von Pilzen aus dem Wald zurück, erzählt er. „Zwanzig unterschiedliche Sorten.“ Welche davon ungefährlich sind, wusste der Anfänger nicht, also bat er eine Frau am Wegesrand um Rat. „Alle außer einer Sorte hat sie rausgeschmissen!“ Jochen Kurth wurde stutzig und ging zum Pilzsachverständigen: „Drei Sorten waren tatsächlich giftig.“ Der Rest war vollkommen ungefährlich – oder vielleicht sogar heilend. Heute, sagt Jochen Kurth, nehme das Wissen über Pilze langsam zu, auch über Heilpilze. „Es wird immer mehr.“ Und daran hat wohl auch er selbst keinen unbedeutenden Anteil. Jochen Kurth lädt jeden Samstag zur Heilpilz- und Heilkräuter-Wanderung nach Feldberg. Los geht es um 10 Uhr vor der Strelitzer Straße 26. Die Teilnehmergebühr beträgt 10 Euro, darin enthalten ist eine Info-Broschüre über alle wichtigen Heilpilze.

Dr. Jochen Kurth, Strelitzer Str. 26, 17258 Feldberger Seenlandschaft. Mail: jochendrkurth@gmx.de

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